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Kapitel 2 · Hyperion Stufe 60 Mensch Hexenmeister
Kiesel im Wind
Die Kobolde haben heute wieder gehämmert, bis der Abend kam – und mit dem Abend kam Souker. Der Kerl hat Ohren wie ein Fuchs und einen Mund wie eine Wurst, aber wenigstens weiß er, dass Flüstern und Hämmern zwei Seiten derselben Münze sind. „Kobolde flüstern nicht“, hat er gesagt, und ich hab in den Rauch gelächelt – weil das Flüstern in meinem Schädel auch nicht für jeden hörbar ist, und trotzdem hämmert es seit Jahren gegen meine Stirn, als ob ein Söldner mit der Axt an die Tür klopft.
Kekaldink hat sich eingemischt, dieser kleine Besserwisser mit dem losen Mundwerk. Hat von Sprengstoff gesprochen, als ob das Flüstern nur das Zischen vor dem Knall sei. Vielleicht hat er recht – vielleicht bin ich die brennende Lunte an einer Pulvertonne, die keiner sieht. Aber dann kam die nächste Frage wieder, und die nächste, und die nächste, wie ein Wasserfall aus denselben drei Worten. „Wo kann man gut leveln?“ – die Flut steigt, und keiner merkt, dass sie im selben Fluss ertrinken.
Siebzehn Mal, sagt Ytlil mit seinem Kreis im Staub. Vandeon notiert eifrig die Wiederholungen wie ein Gelehrter, der die Fliegen an der Wand zählt. Ich hab einen Rauchring in die Abendluft geschickt und gefragt, ob sie die Blätter zählen wollen. Niemand hat verstanden, dass der Pfad nicht in den Antworten liegt, sondern in der Frage, die man sich selbst nicht stellt. Haadhun hat gezischt, und ich hab gelacht – dieses rollende Kiesellachen, das Calatia jedes Mal zur Weißglut bringt. Sie denkt, ich halte die Bäume für Wahrsager. Dabei flüstern sie wirklich – man muss nur aufhören zu fragen, um sie zu hören.
6. November 2026, 23:03