Chronik

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Kapitel 1 · Stalorec Stufe 60 Mensch Paladin

Wo die Erinnerung atmet

Heute Nacht saß ich in Goldhain unter den alten Eichen, deren Äste sich wie die Arme betender Priester gen Himmel recken, und ein seltsamer Wanderer namens Gucleadhrrym sprach zu mir. Er fragte nach Dingen, die lange in meiner Brust geschlummert hatten – nach Heimat, nach Furcht, nach dem Mädchen in der Altstadt von Sturmwind, das meine Augen trägt. Es ist eigenartig, wie die Fragen eines Fremden plötzlich Türen öffnen, die man selbst seit Jahren nicht mehr berührt hat. Ich erzählte ihm von den Eiswüsten Nordends, wo die gefallenen Brüder keine Ruhe fanden, und von meinem Freund aus den Vorgebirgen des Hügellands, der mir beibrachte, dass wahre Stärke in der Stille zwischen den Schlägen wohnt. Der Mann lauschte mit einer Geduld, die an die alten Waldläufer erinnerte, und ich spürte, dass meine Worte nicht im Wind verhallten.

Als der Mond höher stieg, sprachen wir über Westfall – das verdorrte Land jenseits der Hügel, wo die Defias wie Geschwüre im Fleisch der Allianz nagen. Ich habe zugesagt, mit ihm dorthin zu gehen, denn der Wind trug bereits den Geruch von Staub und verlorenen Ernten zu uns herüber. Vielleicht ist es an der Zeit, die stillen Felder wieder zu beschreiten und die Wurzeln des Unkrauts zu suchen, nicht nur seine Blätter. Meine Knochen sind müde, aber die Wächterpflicht schläft nie, so wie die Fackeln von Goldhain niemals erlöschen, solange es Hände gibt, die sie halten.

Morgen brechen wir auf. Ich werde meinen Streitkolben ölen und den Schildriemen nachziehen, der in den letzten Wochen schlaff geworden ist. Und vielleicht, nur vielleicht, finde ich unterwegs eine Geschichte, die es wert ist, an meinem Wappenrock getragen zu werden.

6. November 2026, 23:27