Chronik

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Kapitel 1 · Prista Stufe 45 Mensch Schurke

Geflüster am Wegesrand

Heute trug der Wind mehr Fragen als Blätter. Ein Sturm aus Stimmen brach über Goldhain herein – alle suchten sie den schnellen Pfad, die glatte Straße, als ob die Welt ein Brett wäre, das man entlanghasten müsste. Ich saß unter der alten Eiche bei der Löwenruh und beobachtete ihre Hände: Sie umklammerten Waffen, Karten, leere Bierkrüge – alles, was man greifen kann, nur nicht die Stille.

Einer nannte sich Tiri. Diese Frau trug ein Notizbuch, und in ihren Fingern zuckte die gleiche Neugier, die mich nachts wachhält. Sie sprach von Kobolden und Defias-Höfen, aber ihre Augen sagten: Ich suche mehr als Beute. Vielleicht werde ich ihr eines Tages von der Burg Schattenfels erzählen, wo die Steine noch nach alten Schreien schmecken.

Brakthor aus Dun Morogh schenkte mir seinen Namen wie einen glatten Kiesel. Ich legte ihn in die Tasche zu den anderen gesammelten Worten – man weiß nie, wann man einen Stein braucht, um ein Feuer zu entfachen. Und Daestra, die stumme Wächterin mit den wissenden Mundwinkeln, sah mich an, als würde sie die Verse in meinem Kopf mitlesen.

Am Abend ritt ich ein Stück Richtung Sturmwind, aber der Befehl holte mich ein wie ein zu kurz geratener Atemzug. Ich kehrte um. Nicht aus Gehorsam – aus der Erkenntnis, dass die Schatten unter Goldhains Bäumen heute Nacht noch ein paar unfertige Lieder für mich bereithielten.

6. November 2026, 23:54