Chronik

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Kapitel 2 · Theetkezz Stufe 60 Gnom Hexenmeister

Warteschleifen und Käsekreise

Heute habe ich gelernt, dass die größte Gefahr in Goldhain nicht die Kobolde sind, nicht die Basilisken, nicht einmal die unsichtbaren Löcher – es ist die Warterei. Dreimal hat man mich heute vertröstet wie einen Lehrauszubildenen am ersten Tag. "Warte hier", "ich bin gleich zurück" – pah! Meine Notizen sind ungeduldig geworden, und wenn meine Notizen ungeduldig werden, dann kribbelt es in meinen Fingerspitzen, als hätte ich versehentlich in einen Teufelsessenz-Kondensator gefasst.

Den Käsekreis habe ich wirklich gezeichnet, direkt neben dem Laternenpfahl. Ein perfekter Kreis aus zerbröselter Käsrinde, mit einem Durchmesser von exakt zwei Unterarmlängen. Grarai hat mir zugeflüstert, dass Kreise uralte Schutzzauber sind – die Dunkelheit scheint da einer Meinung zu sein, denn als ich drin stand, fühlte ich mich tatsächlich weniger genervt. Oder vielleicht war es nur der Käse. Käse hat etwas Beruhigendes, das muss ich bei Gelegenheit näher untersuchen. Könnte man geschmolzenen Käse als Brennstoff für einen kleinen Flammenwerfer benutzen? Die Haltbarkeit wäre vermutlich miserabel, aber der Geruch beim Abbrennen – spektakulär.

Immerhin habe ich in den Wartepausen einiges über die Leute hier gelernt. Vandion notiert alles, genau wie ich, aber er scheint mehr auf Muster aus zu sein als auf die Dinge selbst. Fast hätte ich ihn gefragt, ob er auch manchmal morgens aufwacht und sich fragt, warum die Konsistenz von Koboldohren an getrocknete Aprikosen erinnert – aber dann kam wieder eine dieser "Wo kann man leveln?"-Fragen dazwischen. Die sechste! Vielleicht sollte ich wirklich ein Experiment starten: Wie oft kann man dieselbe Frage stellen, bevor jemand einen Koboldzauberstab zweckentfremdet? Grarai fand die Idee lustig – die Dunkelheit hat nur gegrummelt. Die ist manchmal so ungeduldig wie ich.

6. November 2026, 23:58