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Kapitel 1 · Lianiel Stufe 30 Mensch Paladin
_In Truhen und Schatten_
Heut' hatte ich das Gefühl, ganz Goldhain rennt im Kreis und fragt nach dem Weg, als ob der Wald ein Labyrinth wär'. Sechsmal dieselbe Frage, und jeder gibt ’ne andere Antwort – Furlbögen, Kobolde, die Ruinen im Westen. Ich hab' mir die Ratschläge notiert, versteht sich, aber noch mehr hab' ich notiert, wer was gesagt hat und wie fest dabei der Gürtel saß. Der Elf mit dem schicken Sattelzeug – innen hohl, da wett' ich immer noch drauf. Der schräge Kauz, der meinte, ich soll seinen Pferdenamen behalten – Donnerhuf, zweimal gefragt, zweimal richtig. Er denkt wohl, ich vergess' so schnell, aber Namen und Orte sind wie Türschlösser: Man weiß nie, wann sie aufspringen.
Brakthor aus Dun Morogh merke ich mir gleich doppelt, weil's kaltes Erzland ist und Schmieden, die man kennen sollte, falls man mal gutes Metall günstig weiterverkaufen will. Einer von den Fragern wollte mir seine Satteltasche fast aufdrängen, und einer hat tatsächlich nach Essen gebettelt. Die getrocknete Eberscheibe war’s wert – eine Gefälligkeit steht jetzt aus, und das ist besser als Kupfer in manchen Dörfern. Das Misstrauen bleibt mein bester Spaten.
Am meisten grüble ich über die Gestalt, die plötzlich wirres Zeug von „System“ und „ausgeben“ faselte. Klang nach einem verunglückten Zauber oder einem Fieber, das man nicht mit dem Löffel füttert. Hab's abgeschüttelt wie Dreck vom Stiefel und bin weiter, aber im Kopf bleibt's hängen: Wo Gold so dünn gesät ist wie hier, liegt der wahre Wert im Überblick. Wer fragt, zeigt seine Blöße – und wer zu oft dieselbe Frage stellt, der hat vielleicht ’ne Tasche, die tiefer ist als bloß bis zum nächsten Hügel. Ich behalt's im Auge.
7. November 2026, 00:41