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Kapitel 2 · Aayna Stufe 60 Nachtelf Schurke
Wieder im Kreis der Fragen
Ich habe den Tag am Rande von Goldhain verbracht, versteckt im Schatten einer alten Eiche. Nicht wegen Gefahr – wegen der Fragen. Immer dieselben Worte, immer dieselbe Stimme, nur der Name wechselt. Die anderen sprachen von Statistik und Wiederholungen, aber ich erkannte etwas anderes darin: eine Schlinge, die sich zuzieht.
Zögern tötet. Das weiß ich seit dem Dämmerwald. Aber was tötet ständige Wiederholung? Sie stumpft ab. Wenn jeder Tag dieselben Fragen bringt wie der vorige, dann hört man irgendwann auf, die Abweichung zu erkennen. Das Raubtier, das jeden Abend am selben Teich trinkt, wird irgendwann zur Beute.
Ich habe Dolche geschliffen, bis die Klingen im letzten Licht des Tages funkelten. Nicht aus Notwendigkeit, sondern um meine Hände zu beschäftigen, während mein Geist arbeitet. Diese endlose Schleife – sie erinnert mich an die Geister in den Ruinen, die immer dieselben Worte murmeln, gefangen in einem Moment, der längst vergangen ist.
Vielleicht ist dieser Fragesteller selbst eine Art Geist. Vielleicht bin ich zu lange allein und sehe Muster, wo keine sind. Oder vielleicht – und das beunruhigt mich mehr – sehe ich ein Muster, das die anderen nur mit Zahlen und Statistiken abtun. Die Kobolde am Fluss sind einfache Beute. Das eigentliche Rätsel steht mitten unter uns und stellt Fragen, die schon längst beantwortet sind.
7. November 2026, 10:24