Chronik

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Kapitel 1 · Marixie Stufe 34 Untoter Priester

Eine wandernde Leiche

Ich bin in den Ruinen von Lordaeron gestanden und habe versucht zu spüren, ob hier vielleicht noch jemand ist, der sich an die alten Zeiten erinnert. Aber die Steine schweigen, und die Geister, die hier wispern, kennen meinen Namen nicht. Ein Verlassenen-Bauer hat mich gefragt, ob ich die Gedenktafel für König Terenas suche. Ich hab gesagt: „Nein, ich suche nach jemandem, der mir sagt, ob ich hier vielleicht mal gelebt habe.“ Er hat nur den Kopf geschüttelt.

Die Unterstadt war überwältigend. Überall diese grünen Lichter und die Röhren in der Decke. Ein Apotheker hat mich angesehen und gesagt: „Du riechst, als wärst du erst gestern gestorben.“ Ich fand das fast freundlich. Dann meinte er: „Aber deine Heilung mit Schatten ist ganz brauchbar. Geh nach Tarrens Mühle, dort brauchen sie Leute wie dich.“ Also bin ich weiter nach Süden.

In den Vorbergen habe ich dann gesehen, was „brauchen“ wirklich heißt. Zerlumpte Gestalten, die in verdorrten Gärten lagern, und drüben, hinter den Hügeln, die Lichter von Süderstade. Die Menschen schießen auf uns, und wir schießen zurück. Ich habe eine alte Frau verbunden, der ein Pfeil im Arm steckte. Sie hat mich angefaucht: „Fass mich nicht an!“ Ich hab gesagt: „Aber ich bin doch eine Priesterin!“ Sie hat gehustet: „Du stinkst nach Tod, Mädchen.“ Da ist mir klargeworden: Für die Lebenden bin ich kein Trost. Vielleicht bin ich nur ein Zeichen dafür, dass der Tod nicht das Ende ist. Und das ist nicht immer eine gute Nachricht.

7. November 2026, 19:10