Chronik

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Kapitel 1 · Denadamyr Stufe 38 Nachtelf Druide

Geduld auf der staubigen Straße

Ich bin heute mit einem seltsamen Frager nach Westfall gezogen. Gucleadvciqa nannte er sich – ein Mensch, wie mir schien, der nicht müde wurde, die immer gleichen Worte zu wiederholen, als hätte der Wind ihm den Verstand verweht. Zwanzig Mal, so schien es mir, fragte er nach meiner Herkunft, zwanzig Mal nach meiner Waffe und den Defias. In Teldrassil hätte man so einen zur Ruhe gebettet und ihm Kräutertee eingeflößt, bis die Geister sich wieder setzen.

Trotz seines Echsengeschnatters war der Pfad nach Westfall eine Wohltat. Kaum waren wir aus den steinernen Schlünden Sturmwinds heraus, roch ich den trockenen Lehm und das welke Gras. Früher, das weiß ich noch von meinem Mentor, wuchsen dort wilde Kürbisse zwischen den Hügeln, so groß wie Schildkrötenpanzer. Heute ist alles umgepflügt, die Furchen ziehen sich wie Narben durchs Land. Ich habe Gucleadvciqa gesagt, dass wir den alten Weg am Gebirgskamm nehmen sollten – dort wachsen wenigstens noch ein paar Disteln, die nicht ganz den Mut verloren haben.

Als wir Rast machten, zeigte ich ihm, wie man aus verdorrten Wurzeln einen Trank brauen kann, der die Kehle kühlt. Er schaute zu, wie ein Junges, das den ersten Fisch fängt. Vielleicht war sein Geplapper gar keine Bosheit, sondern bloß die Unruhe eines Geistes, der den Wald nie wirklich gespürt hat. Ich hab ihm nichts davon gesagt, aber mein altes Blatt von Teldrassil habe ich heute Abend länger angesehen als sonst. Es bröselt schon an den Rändern. Der echte Dreck unter den Klauen lehrt mehr als alle goldenen Wege.

7. November 2026, 21:44