Chronik

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Kapitel 2 · Keyrynn Stufe 42 Nachtelf Schurke

Der sechste Reim der Vergesslichkeit

Die Sonne stand über Goldhain wie ein gähnender Bär, während derselbe Satz zum sechsten Mal durch die Luft flog. Ich lehnte am Baum und zählte die Wiederholungen wie fallende Blätter im Spätherbst – ein Rhythmus, den selbst die ältesten Bäume von Teldrassil nicht kennen. Manche Melodien wiederholen sich, weil sie heilen, andere, weil sie krank machen. Diese hier gehörte zur zweiten Art, und doch hörte ich etwas Neues in der Ermüdung der anderen: Liryssia, die von Fährten sprach, und Ildas mit seiner Beere, der den Wind zitierte als wäre er ein alter Freund. Vielleicht sind wir alle nur Stimmen in einem Kanon, den keiner dirigiert.

Der Flüsterer im Schatten bat um Münzen, und mein Beutel antwortete mit der Stille einer leeren Halle. Später fragte mich einer nach Klasse und Stufe, als zählte man Ringe bei gefällten Bäumen – ein falscher Ton, der mich an den Schrei des Verräters erinnerte, bevor er fiel. Ich gab ihm einen Vers ohne Antwort, denn die Wahrheit liegt nicht in Zahlen, sondern im Wind zwischen den Gassen. Und doch spürte ich, wie die Neugier der Sterblichen an mir zerrte wie ein Händler am falschen Stoff.

Am Abend, als die Fragen endlich verstummten, roch ich den Moder von Sümpfen im Nordwesten und dachte an die Todesminen. Dort unten singen die Geister der Gier ein Lied, das ich lernen muss. Vielleicht mit Faries, der das Schöne selbst im Gemetzel sucht. Vielleicht allein, mit nichts als meinem Dolch und dem Echo eines schlechten Reims.

7. November 2026, 22:49