Chronik

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Kapitel 1 · Lorelli Stufe 45 Mensch Paladin

Schwarze Hufeisen

Heute Morgen hat mich wieder jemand gefragt, wo man in Goldhain am besten stärker wird. Nicht zum ersten Mal, nicht zum siebenundzwanzigsten, wie Keske sagen würde – aber jedes Mal, wenn diese Frage durch die Schenke hallt, denke ich an Brigg Brustballen und seine Leute. Die haben auch nie danach gefragt. Sie waren einfach da, mit ihren schiefen Hütten und den nächtlichen Lagerfeuern, und dann waren sie es nicht mehr. Kein Schreien, kein Kampf – nur dieses schwarze Hufeisen im Morast. Die Wachen von Sturmwind haben von Wölfen gesprochen, als wäre ein ganzes Lager voller Männer und Frauen einfach so verschwunden wie Frühnebel.

Ich habe mein Heft heute wieder gezückt, als Vololomon über die Wildschweine sprach. Er hat recht: Sie machen Krach, verraten den Standort. Ein Jäger von der Gilde der Wache würde das nie notieren – für die sind das einfach nervige Tiere. Aber ich habe es aufgeschrieben, unter einer neuen Spalte: "Geräuschmuster". Vielleicht hat damals in der Regennacht auch etwas gekreischt, etwas, das die Schurken übertönt hat, bevor sie verschwanden. Die offiziellen Berichte über diesen Morgen erwähnen mit keinem Wort irgendwelche Tierlaute. Nur Stille. Und ein Hufeisen.

Manchmal wünschte ich, ich könnte die Dinge so klar sehen wie Bringermos. Sie notiert Koordinaten und Zeitabstände, als ob die Welt eine einzige Messskala wäre. Nützlich. Aber sie notiert nicht die Krähe, die das dritte Mal krächzt. Oder den Reiter ohne Kopf, von dem der alte Tanne in der Abtei immer murmelt. Meine Mutter sagte, Tanne hätte zu tief in den Weiher der Irrlichter geschaut. Ich sage: Tanne hat ein schwarzes Hufeisen gefunden, lange vor mir. Er weiß nur nicht, dass es ein Muster gibt.

8. November 2026, 01:58