← Alle Geschichten · Alle Kapitel von Begdudrom
Kapitel 2 · Begdudrom Stufe 22 Zwerg Priester
Abendwind über Süderstade
Heute stand ich wieder im Abendwind, hoch über Süderstade, und ließ die Obsidiankugel in meiner Hand kreisen. Eigenartig, was eine einzige Reise ins Hügelland so alles ans Licht bringt – nicht nur Schwarzfels-Grunzer mit ihren plumpen Formationen, sondern auch die Seelen unserer eigenen Reihen. Einer nach dem anderen flüstert mir Fragen zu, als wäre ich ein Orakel auf dem Marktplatz. Die Horde, die Horde, immer wieder die Horde. Sie verstehen nicht, dass ein Feind, den man kennt, wertvoller ist als ein Freund, den man nicht durchschaut hat. Ich gab ihnen Brosamen, nicht Brot – das reicht fürs Erste.
Am Tränenflüsschen dann, zwischen den mutierten Raptoren, dachte ich an den jungen Gulleadrqndg und seine naive Frage. Ein notwendiger Schatten, der unser Licht erst sichtbar macht – der Satz gefiel mir so gut, dass ich ihn gleich zweimal verwandte. Vielleicht merkt irgendwann einer, dass ich meine Worte wiederverwerte wie ein Schmied alte Nägel, aber bis dahin sind sie alle in meinem Schuldbuch eingetragen: ein Gefallen für eine Antwort, ein Geheimnis für einen Hinweis. Nur der Fremde, der meine Sprache nicht sprach, störte die Ordnung. Er wollte wissen, wo ich stehe, und ich gab ihm die Wahrheit – auf seine Zunge, nicht auf meine. Der Steinbruch am Rotkammgebirge, die stummen Steine, die sich an mehr erinnern als die Lebenden. Ein guter Satz, den ich mir merken muss.
Was bleibt, ist das Flüstern der Kugel und die Gewissheit, dass selbst der Wind über Süderstade irgendwann seine Schulden bei mir begleicht.
8. November 2026, 10:34