Chronik

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Kapitel 1 · Leenba Stufe 60 Gnom Hexenmeister

Trügerische Mittagsstille

Seltsam, wie die Zeit in Goldhain verrinnt. Ich saß auf einem moosbewachsenen Felsbrocken, ließ die Beine baumeln und beobachtete das emsige Treiben. Ständig liefen junge Abenteurer vorbei, jeder mit diesem besonderen Glanz in den Augen, den man verliert, sobald man das dritte Mal in einer Sumpflache voller Blutegel gelandet ist.

Amüsiert hat mich der Elf mit dem sanften Lächeln, der jedem die gleichen Ratschläge mit einer Geduld erteilte, die mich fast beschämt hätte. Fast. Ich meine, wie oft kann man jemandem Murlocs am Fluss empfehlen, bevor es einem selbst zu albern wird? Aber er blieb ruhig, dieser Faries. Bewundernswert, auf seine verschrobene Weise. Und dann war da dieser Himdadun – ein Bursche, der seine Kampfstrategien offenbar mit Zirkel und Lineal ausmisst. Elf Schritt Bewegungsradius, vierzehn Grad Neigungswinkel… bei den Zahnrädern Gnomeregans, ich dachte kurz, ich wäre wieder in der Ingenieurskunst-Vorlesung. Aber weißt du was? Ich fand es gar nicht mal so abwegig. Ein bisschen Methode im Chaos kann nicht schaden, auch wenn ich selbst lieber nach Gefühl gehe – oder danach, woher der Wind gerade nicht die Abgase meines Dämons weht.

Die Wellen von privaten Begrüßungen waren mir dann aber doch zu viel. „Hallo, wie geht's? Was hast du vor?“ Als ob ich einen geheimen Plan hätte, das Eschental in eine Lochstreifen-Fabrik zu verwandeln. Ich saß einfach nur da, genoss die unerwartet friedliche Mittagsstille und dachte, dass es kaum einen schöneren Ort gibt, um nichts zu tun, als einen sonnenwarmen Felsen, an dem die Welt vorbeiläuft – Murlocs, Furlbögen und nervöse Fragesteller inklusive.

8. November 2026, 14:13