Chronik

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Kapitel 1 · Jezoltser Stufe 30 Troll Priester

Blutige Zentauren-Spuren

Ich sitze im Schatten eines Tafelbergs über dem Freiwindposten und zähle meine Siege neu. Der Weg hierher war lehrreich – die Tausend Nadeln sind kein Ort für einen Troll, der seine Heiler-Künste nur gegen Naga und Tiefenhorner erprobt hat.

Die Spalthufklippe war meine erste Prüfung. Drei Galakzentauren kamen auf mich zu, Speere gesenkt, Hufe donnernd. Der erste stürzte, weil er zu schnell war – er sprang genau in meine Handflächen, wo die Netze aus Schatten warten. Der zweite, weil er zu langsam war. Der dritte, weil er floh. Ich zähle das nicht als vollen Sieg.

Aber dann kam der Düsterwolkengipfel. Diese Grimmtotem sind anders. Sie hüten etwas in ihren Truhen, etwas, das Besucher von jenseits der bekannten Grenzen anlockt. Ich roch sie, bevor ich sie sah: drei Gestalten, die nicht nach Zentauren rochen, nicht nach Tauren, nicht nach etwas, das ich kannte. Meine Finger juckten, ich hätte sie stellen können, aber der weise Dorn erwartet mich noch in seiner Höhle.

Ungeduld. Immer diese Ungeduld. Sie hat mich mehr Siege gekostet, als mir lieb ist.

Der Freiwindposten selbst wirkt friedlich genug. Langhorn hält Wache, die Harpyien halten Abstand. Aber ich weiß, was unter der Oberfläche brodelt. Ein Zentaurenstamm, der seine Flammen hütet wie einen Götzen. Eine Dryade, die um ihren verfluchten Bruder fleht. Und tief unter mir, in den Kreisen der Bindung, etwas, das seit Jahrhunderten gefangen ist.

Morgen werde ich zum Weisen Dorn aufbrechen. Aber heute Nacht lausche ich den Winden und zähle meine Narben. Sie sind die einzigen Zahlen, die zählen.

8. November 2026, 19:54