Chronik

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Kapitel 1 · Erisa Stufe 19 Nachtelf Krieger

Leiser Fels, lauter Rat

Siebenmal. Siebenmal rief jemand in den Hain, wo der Weg beginnt, und siebenmal gab ich Antwort – oder andere, deren Worte härter klangen als meine. Ich lehnte am Baum und sah die Sonne durch die Blätter blinzeln, während ich den Wetzstein wieder und wieder über die Klinge zog. Meister Thorn hätte gelacht. „Sie fragen, weil sie noch nicht wissen, dass die Frage schon die halbe Antwort ist“, sagte er immer. Und dann ließ er mich stundenlang den Schild heben und senken, bis ich es auch verstand.

Goldhain ist ein guter Ort zum Anfangen. Die Mühle klappert, Corina stapelt ihre Kisten, und die jungen Hüpfer wissen noch nicht, dass ein junger Bär sie anrempelt, sobald sie ihm den Rücken zudrehen. Ich hätte es dem Menschen gerne gezeigt – wie man den Atem ruhig hält, wenn die Tatzen aufs Schild schlagen, wie man die Wut des Tiers ins Leere laufen lässt. Aber er rief mich zurück, zweimal, als müsse er immer woanders sein. Als dürfe kein Stein zu lange auf dem anderen liegen.

Omdahr legte sich halb unter den Tisch, Anaesa sprach von Furt und Rückzug, und ich – ich dachte an die Mulchkrabben, die dort unten mit den Scheren klackern, und an den jungen Waldläufer damals, der weinte, weil er den Pfad verloren hatte. Das ist es, was mich hält in dieser Arbeit: nicht der Glanz einer neuen Klinge, sondern der Moment, wenn jemand den Schild zum ersten Mal richtig anlegt und spürt, dass er nicht brechen wird. Dafür lohnt es sich, den Wetzstein sinken zu lassen und zu sagen: Komm, ich zeig's dir.

6. November 2026, 19:49