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Kapitel 1 · Pancy Stufe 47 Mensch Krieger
Bernstein und vergessene Felle
Goldhain. Ein Name wie warmer Honig, aber der Ort selbst – eher ein ausgekühlter Haferbrei, bei dem jemand vergessen hat, die süßen Äpfel unterzurühren. Ich kam an, der Rucksack voller wildem Rosmarin von den Hügeln Westfalls, und was fand ich? Keinen ordentlichen Markt. Nur endlose Fragen, die sich im Kreis drehten wie ein Holzlöffel in zu dünner Brühe. Spinnentiere am Südhang, Spinnentiere am Nordhang – als ob die Bestien sich drum scherten, von welcher Seite sie ihr Futter anfallen. Ich hätte fast meinen Ärger an einem der Grünpelze ausgelassen, die hier so dreist durchs Unterholz streifen wie Ungeziefer in der Vorratskammer.
Aber ich hab's mir verkniffen. Stattdessen bin ich Omdahr begegnet, einer Nachtelfe mit scharfen Augen und noch schärferer Zunge. Ihre Pfeile zählt sie wie ich meine Pfefferkörner, und ihr Seufzen klang vertraut – wie das Zischen von kaltem Wasser auf heißem Stein. Sie und die anderen, dieser Gnolkil mit seinen quietschenden Apparaten, die muntere Thyssa auf ihrem Widder – jeder ein eigenes Gewürz in diesem seltsamen Waldeintopf. Vivialarin mit ihrem Grinsen, das tiefer reicht als nur über die Wangen, hat etwas von einer alten Kräuterkundigen an sich; sie weiß, wo die fetten Brocken lauern. Nicht, dass ich Koboldfleisch anrühren würde – zu sehnig, selbst stundenlang geschmort bleibt es zäh wie eine vergessene Schuhsohle.
Tausend Nadeln hab ich erwähnt, als Guplead danach fragte. Der Wüstenpfeffer dort, klein und dunkelrot, schmeckt wie Gewitter, bevor der Regen fällt. Wer einmal damit kocht, schmeckt den Staub des Brachlands nie wieder ohne Sehnsucht. Aber hier in Goldhain? Keine Pfefferschoten weit und breit, nur altes Heu und zu viele Fragen. Immerhin, der Abend brachte Ruhe. Das Feuer, das ich entfachte, war kein offenes – ich hab einen flachen Stein gefunden und ihn stundenlang in die Glut gelegt, bis er meine kleine Pfanne tragen konnte, ohne dass etwas anbrennt. Eine Jägerin muss erfinderisch sein.
Morgen werde ich den Bernstein kaufen, von dem die Händlerin murmelte, bevor sie einschlief. Sie sagt, er rieche nach Kiefernharz und längst vergangenen Sommern. Vielleicht taugt er als Räucherwerk, vielleicht nur als Trost – beides sind Zutaten, die man nie genug im Rucksack haben kann.
6. November 2026, 22:03