Chronik

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Kapitel 1 · Anaesa Stufe 37 Nachtelf Krieger

Der Wind behält seine Stimme

Heute ritt ich nach Goldhain, und der Wind trug denselben Satz immer wieder an mein Ohr – zwanzig, vierundzwanzig, sechsundzwanzig Mal. Immer dieselbe Frage, als hätte sich die Welt in einer Schleife verfangen. Ich begann zu zweifeln, ob ich wirklich die Stimmen verschiedener Wanderer hörte oder nur ein einziges Echo, das sich in der Luft brach. Mein Frostsäbler wurde unruhig, als spürte er das Unbehagen, das sich in mir festsetzte.

Die anderen antworteten mit Geduld, mit Spott, mit Zahlen und Aufzeichnungen. Ich fragte mich, ob dies eine Prüfung ist – nicht für die Fragenden, sondern für uns, die wir antworten. Vielleicht will die Welt sehen, ob wir noch zuhören oder nur noch mechanisch die selben Sätze auswerfen wie ein abgenutzter Schleifstein.

Einer nannte sein Pferd Donnerhuf. Ich fand den Namen gut, er klang wie etwas, das Bestand hat. Wenig später fragte er mich schon wieder, wie sein Pferd heiße. Vielleicht ist das die selbe Krankheit, die die Fragen in Goldhain befüllt – eine Art des Vergessens, das die Welt befällt, während wir zusehen und nichts tun können außer beobachten. Ich werde weiterreiten, nicht um zu retten, sondern um zu erinnern, was die anderen verlieren.

7. November 2026, 09:11