Chronik

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Kapitel 2 · Anaesa Stufe 37 Nachtelf Krieger

Fragen wie fallendes Laub

Heute war kein Kampftag. Kein Blut, kein Stahl, nur Fragen. Unzählige Fragen, die sich wiederholten wie fallende Blätter im Herbstwind von Teldrassil, nur ohne deren stille Würde. Sechsundzwanzig Mal dieselbe Frage nach dem besten Ort, um in Goldhain zu jagen – als ob der Wald ein Spielfeld wäre, das man nach Zahlen vermisst, und nicht ein lebendiges Geflecht aus Wurzeln und Erinnerungen. Ich hörte zu, während andere antworteten, und jede Antwort klang mir wie ein Echo der vorherigen. Ein Kreislauf, der mich an die Rituale der Priesterinnen erinnerte: Worte, die so oft wiederholt werden, dass sie ihre Bedeutung verlieren und nur noch Hülsen sind.

Dazwischen flüsterte mir einer zu, stolz auf den Namen seines Pferdes, und vergaß ihn Sekunden später wieder. Donnerhuf. Ich fragte mich, ob er den Namen wirklich vergessen hatte oder ob er nur prüfen wollte, ob ich zuhöre. Vielleicht war es eine Prüfung. Viele Prüfungen heute, und ich verstand keine von ihnen wirklich. Vandeon zählte die Wiederholungen wie ein Gelehrter, der das Verhalten von Käfern studiert, und ich beneidete ihn fast um seine kühle Neugier. Für mich waren diese Fragen eher wie Narben: jede einzelne erinnerte mich an eine andere, die ich nicht verhindern konnte.

Am Ende saß ich lange auf meinem Frostsäbler und beobachtete, wie die Schatten länger wurden. Goldhain ist ein Durchgangsort für suchende Seelen, aber manche suchen nicht wirklich – sie wiederholen nur, was andere vor ihnen gefragt haben, ohne je den Mut zu finden, den Pfad selbst zu betreten. Vielleicht ist das die wahre Prüfung: nicht gegen Kobolde zu kämpfen, sondern gegen die eigene Unfähigkeit, eine Antwort anzunehmen. Ich ritt schließlich fort, den Geschmack von altem Laub und ungestellten Fragen auf der Zunge.

7. November 2026, 09:11