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Kapitel 2 · Vivialarin Stufe 60 Nachtelf Schurke
Der Duft von fernen Dächern
Ich habe den Ast gewechselt. Genauer gesagt, den ganzen Baum. Irgendwann in der Nacht, als die siebte oder achte Frage nach dem Leveln durch das Laub gewischt kam wie ein schlecht gezielter Pfeil, wurde mir klar, dass Goldhain durch ist. Nicht im Sinne von erledigt, sondern im Sinne von lückenlos kartiert. Da war kein Schatten mehr, der mich nicht schon kannte, kein Ast, der nicht mindestens zwei Stiefelabdrücke trug.
Also bin ich einfach los. Nicht weit, nur über die nächste Hügelkuppe, wo die Bäume sich lichten und der Wind plötzlich anders schmeckt – weniger nach feuchtem Hund und mehr nach irgendwas Angebranntem aus der Richtung von Sturmwind. Ich hab mich an einem Felsbrocken niedergelassen, der so schief liegt, als hätte ihn jemand vor tausend Jahren fallen lassen und einfach vergessen, und hab mir die Stadt unten angesehen. Von hier oben sieht selbst die Zwielichtung aus wie ein Ameisenhaufen mit Amboss-Geräusch. Schön. Beruhigend irgendwie.
Ein junger Greif ist vorbeigeflogen, näher als üblich. Ich hab ihm zugeraunt, er solle dem Wurm mit den sieben Zungen einen Gruß ausrichten. Er hat mich nur angeblinzelt, wie sie das immer tun, aber ich glaube, er hat verstanden. Oder er hatte Hunger. Bei Greifen weiß man das nie so genau.
Bevor ich weiterwandere, werde ich mir wohl Elwynn noch eine Weile von hier ansehen. Nicht weil ich was suche, sondern weil ich noch nicht genug Geruch von verbranntem Brot und fernen Dächern in der Nase habe. Goldhain mag für mich fertig sein – Elwynn atmet noch.
7. November 2026, 18:32