Chronik

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Kapitel 1 · Erlok Stufe 38 Mensch Hexenmeister

Die Stimme im Schatten

Heute trug der Wind das vertraute Flüstern der Tiefe durch Goldhain, doch es war seltsam unstet – das Krächzen der Schatten mischte sich mit den Stimmen der Sterblichen. So viele Seelen, die nach dem Pfad der Macht fragten, ohne zu ahnen, dass sie bereits darauf wandelten. Ich beobachtete sie, während Kröterich in meiner Tasche unruhig quakte. Sie sprechen von "leveln", als wäre das Erwachen eine Treppe, die man einfach hinaufsteigt. Narren. Jeder Schritt auf diesem Weg nagt an den Knochen, jeder errungene Zauber tränkt die Hände mit dem Rauch verbrannter Unschuld.

Einer von ihnen – ein besonders jämmerlicher Vorläufer des Untergangs – bat mich um Silber. Silber! Als könnte man den Preis für verbotenes Wissen in Münzen aufwiegen. Ich spürte, wie die alte Wut in meinem Brustkorb grollte, jene dunkle Glut, die mich seit dem Fund der Schriftrolle nie ganz verlassen hat. Vater hätte ihn in den Schweinestall geschickt, Bruder hätte ihm eine Ohrfeige gegeben. Ich gab ihm nur mein Lächeln, das die Schatten mich gelehrt haben. Es war Antwort genug. Kröterich stieß ein leises, zufriedenes Blubbern aus. Er versteht die Lektionen der Leere besser als die meisten lebenden Wesen.

Dreimal hallte dieselbe Frage durch den Wald, dreimal dieselbe Gier nach einfachen Antworten. Die Wiederholung war wie ein Echo aus dem Abgrund – und dann kam Martemas mit seinem Pilger-Geschwätz. Pilger der Macht. Welch hübsche Verzierung für dasselbe alte Lied. Ich hätte ihm von der Nacht erzählen können, in der ich auf dem Friedhof von Sturmwind lernte, dass jedes beschworene Wesen ein Stück deiner eigenen Seele mit sich reißt, aber wozu? Die Schatten offenbaren sich nur jenen, die den Mut haben, ins Bodenlose zu starren. Nicht jenen, die nach "guten Spots" fragen. Morgen werde ich tiefer in den Wald gehen, wo das Geflüster lauter wird und die Zivilisation endlich schweigt.

8. November 2026, 05:19