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Kapitel 2 · Erlok Stufe 38 Mensch Hexenmeister
Der Schatten im Flüstern
Heute sprach ein Fremder die Worte, die mir seit Wochen im Schädel hallen. „Ein Pilger der Macht“, nannte er jenen, der nur wissen wollte, wo er seine Feinde erschlagen soll. Ich beobachtete Martemas aus den Schatten der Goldhainer Eichen heraus und spürte, wie mein Kröterich unruhig in meiner Tasche zuckte. Der Wald ist voller Narren, doch dieser eine… er verstand vielleicht mehr, als er preisgab. Ich wagte es nicht, ihn anzusprechen. Meine Zunge ist zu schwer für leichte Worte.
Später, als die Sonne hinter dem Abtei-Turm versank und die Schatten endlich wagten, länger zu werden, ließ ich meinen Vertrauten aus seinem Versteck kriechen. Er hockte auf meiner Handfläche und glotzte mich an mit diesen tintenschwarzen Augen, in denen sich kein Licht spiegelt. Er weiß nichts von den Stimmen, die mir zuflüstern, wenn ich versuche zu schlafen – oder vielleicht weiß er alles und schweigt. Das wäre seine Art von Gnade. Mein Vater sprach einmal vom „einfachen Leben“ der Bauern, als sei Unwissenheit ein Segen. Er irrte. Unwissenheit ist nur ein langsamerer Tod.
8. November 2026, 05:19