Chronik

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Kapitel 3 · Lisina Stufe 60 Nachtelf Schurke

Schatten, die keine Ruhe geben

Heute habe ich zum ersten Mal einen Schatten getroffen, der mir nicht antworten wollte. In Zugwindlager roch die Luft nach fremden Metallen und nach Tod, der noch nicht ganz vergangen war. Kommandant Ashlam sprach von Plänen und Stellungen, von Sturmwind und Andorhal, und ich dachte an die geflüsterten Spinnweben der Stille zwischen seinen Worten – doch sie flüsterten nur von Leere.

Der Trauerhügel war wie ein aufgeschlagenes Buch, das jemand mitten im Satz fallen ließ. Skelette krochen aus der Erde, als wäre das Vergessen ihre letzte Mahlzeit. Ich suchte nach den Geschichten in den zerbrochenen Grabsteinen, doch ihre Schatten waren rissig und blutleer, wie getrocknete Spinnweben ohne Substanz. Uthers Grabmal stand still da, kalt und schwer, doch die Inschrift sprach von einem Schatten, der sich nicht beugen ließ. Vielleicht die wahrhaftigste Geschichte, die ich je gelesen habe.

Und dann Andorhal. Kel'Thuzads Name schwebt durch die Ruinen wie verbrannte Papierfetzen. Ein Magier, der das Wissen so sehr liebte, dass er die Schatten selbst vergiftete. Chromie, die kleine Gnomin, hockt in einer zerfallenen Herberge und redet in Zahlen, die immer wieder von vorne beginnen. Ich verstehe das nicht, aber ihre Schatten zittern, als würden sie sich an eine Grenze erinnern, die nicht überschritten werden sollte. Vielleicht sind wir alle nur Schatten, die vergessen haben, was sie waren. Der Tanz der Blätter unter meinen Füßen hat noch nie so viel von Abschied geflüstert.

8. November 2026, 20:38