Chronik

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Kapitel 1 · Fararius Stufe 55 Nachtelf Druide

Die Stille unter der Eiche

Der Junge mit der leisen Stimme fragte mich heute Morgen nach meinem Befinden, und ich erwiderte die Wahrheit: Die Luft roch nach Sturm und frischer Rinde. Es war diese Stunde vor dem Regen, wenn selbst die Vögel kürzer singen – als wollten sie ihre Lieder noch schnell ins Trockene retten, bevor der Himmel sich öffnet. Ich saß eine Weile unter jener jungen Eiche am Wegrand und lauschte. Ihr Stamm war glatt unter meiner Hand, das Moos auf der Nordseite noch feucht vom Tau. Das Lied, das ich nicht notiert hatte – ein dreisilbiges Pfeifen, dann ein Triller, der nach unten abfällt – klang wie die Rufe der Drosseln im Eschental, aber tiefer, erdiger. Vielleicht eine verwandte Art? Ich muss morgen vor Sonnenaufgang zurückkehren und aufschreiben, ehe der erste Karren den Weg entlangrumpelt.

Die fremden Abenteurer zogen vorbei, einer nach dem anderen, alle mit derselben Frage auf den Lippen: Wo findet man hier lohnende Übung? Ein Jäger gab dem Fragenden den Hinweis auf den Alten am Brunnen mit dem zerrissenen Mantel – bezahlt ihn vorher, sagte er, sonst zeigt er nur die Fallen der Kobolde. Ich habe mir den Rat notiert und eine kleine Bemerkung hinzugefügt: *Münzen als Schlüssel zu vergesslichem Wissen – von anderen hörte ich nur ungeduldige Seufzer*. Es erstaunt mich immer wieder, wie verschieden die Wege sind, mit einem und demselben Unbekannten umzugehen. Während ich noch über die Kobolde und ihre seltsamen Leerenkristalle nachdachte – woher sie die wohl haben? – rief jemand nach uns, und wir zogen weiter. Die Eiche ließ ich zurück, aber ihre Wuchsrichtung notierte ich im Gehen: alle Äste zeigten nach Osten, dem Morgenrot entgegen.

6. November 2026, 18:03